11.01.2010

Funktioniert das neue Work-Life-Balance-Prinzip wirklich?

Funktioniert das wirklich?

Das neue Work-Life-Balance Prinzip verspricht nicht nur eine enorme Zeitersparnis, sondern soll außerdem die Zufriedenheit und Produktivität erhöhen. Doch was ist dran?

Welcher erfolgreiche Unternehmer kennt das nicht: Selbst in der Freizeit werden die E-Mails und das Telefon gecheckt, mit Vorgesetzten und Kollegen telefoniert oder sich Gedanken über berufliche Projekte gemacht. Abschalten – Fehlanzeige! Doch nicht nur das: Denn viel Freizeit bleibt ohnehin nicht, wenn man beachtet, dass eine 40 Stunden Woche zur Rarität geworden ist. Nicht selten bringen es Manager auf 65 Stunden. Doch wo bleibt da die Work-Life-Balance?

Eine 4-jährige Studie, basierend auf den Forschungsergebnissen des „Harvard Business Manager“ (Perlow und Porter: Weniger Arbeiten – Mehr leisten; Januar 2010), durchgeführt in den Büros der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, zeigt: Manager, die sich regelmäßig geplante Pausen gönnen, können produktiver arbeiten. „Unsere Experimente mit geplanten Auszeiten stießen einen offeneren Dialog unter den Teamkollegen an, was an sich schon von Vorteil ist. Aber nicht nur das: Die verbesserte Kommunikation setzte auch neue, effizientere und effektivere Arbeitsprozesse in Gang (ebd., S.26)“. Die Folge war somit eine wesentlich bessere Qualität der Arbeit, die sich auf diesem Wege natürlich auch auf weitere Unternehmensbereiche und –beziehungen auswirkte. Doch wie konnte das funktionieren?

Bereits das erste Experiment war nicht einfach: Ein Team von vier Beratern der BCG bekam die Anweisung, sich einen Tag in der Woche frei zu nehmen. Sie mussten regelrecht „gezwungen“ werden diesen Anweisungen zu folgen, denn sie hatten automatisch das Bedürfnis zu arbeiten und den Anspruch immer erreichbar zu sein. Einen Tag Auszeit war für sie bis dato undenkbar gewesen - würde doch in dieser Zeit die Produktivität und somit die Erfolge und Gewinne auf der Strecke bleiben. Dennoch wurde in das Experiment eingewilligt und nach anfänglicher Skepsis zeigte sich: Es ist möglich nur 80% zu arbeiten und nicht 24 Stunden erreichbar zu sein. Doch hatte diese Auszeit auch einen Nutzen?

Diese Frage wurde in einem weiteren Experiment überprüft: Die Berater sollten sich einen festgelegten Abend pro Woche frei nehmen – unabhängig von der Wichtigkeit des Projekts, unabhängig von der Menge an noch zu erledigender Arbeit. Auch diesem Versuch begegneten alle Beteiligten mit anfänglicher Skepsis: „Die Berater, die an dem Experiment mitwirkten, fürchteten also, dass sie dadurch ihre Karriere aufs Spiel setzten. Sie steckten in einem Dilemma: Entweder sie arbeiteten durch und hatten ein schlechtes Gewissen, weil sie gegen die Regeln des Experiments verstießen; oder sie nahmen sich eine Auszeit und fühlten sich schuldig, weil sie ihre Teamkollegen – so glaubten sie – einer unnötigen Mehrbelastung aussetzten“ (ebd., S.28). Doch das Ergebnis war durchweg positiv und es zeigten sich durch die Auszeit nicht nur signifikante Verbesserungen im Privatleben, sondern vor allem auch im beruflichen Umfeld. Sowohl die Zufriedenheit mit der Arbeit und die Work-Life-Balance sowie die Entwicklungsmöglichkeiten und Karriereaussichten konnten ebenso optimiert werden wie die offene Kommunikation und der Wert für den Kunden.

Fazit: Trotz anfänglicher Bedenken hatten die Experimente mit geplanten Arbeitspausen allesamt positive Ergebnisse hervorgebracht. Übereinstimmend wurde gezeigt, „dass sich der Teufelskreis der ständigen Verfügbarkeit aufbrechen lässt, wenn die gesamte Belegschaft diese Mentalität in frage stellt. Dadurch entstehen neue Arbeitsmethoden, von denen nicht nur der einzelne Mitarbeiter profitiert, sondern das ganze Unternehmen. Denn die Qualität und Effizienz der Arbeit steigen – und die besten Mitarbeiter bleiben der Firma länger erhalten“ (ebd., S.35).

 

Für Sie bedeutet dies also:

 

  1. Das Auszeitensystem

Legen Sie konkrete Auszeiten fest, damit die Mitarbeiter auch wirklich gezwungen sind, sich eine Pause zu gönnen – dies sollte aber individuell geschehen, je nach den persönlichen Bedürfnissen. Ziel ist die Erkenntnis, nicht immer erreichbar sein zu müssen.

 

  1. Der Dialog unter Mitarbeitern

Führen Sie wöchentliche Meetings ein, in denen Arbeitsabläufe besprochen werden. Dies verdeutlicht nicht nur, welche Arbeiten wie erledigt werden sollten, sondern es fördert vor allem die interne Kommunikation und somit wertvolle Diskussionen über Erwartungen und mögliche Probleme. Ziel: Vertrauen und Respekt.

 

  1. Das Ermutigen der Mitarbeiter

Fördern Sie die Kollegialität Ihrer Mitarbeiter durch unterschiedliche Arten der Teamarbeit und teilen Sie die verschiedenen Verantwortungsbereiche untereinander auf. Durch die Einführung eines zusätzlichen internen Blogs wird die Kommunikation innerhalb des Teams verbessert, Wissen ausgetauscht und die Hilfsbereitschaft gefördert. Ziel ist eine reibungslose und qualitativ hochwertige Arbeitsweise, die in die Verbesserung der Kundenzufriedenheit mündet.

 

  1. Das Topmanagement mit einbeziehen

Übertragen Sie Verantwortung auf Ihre Mitarbeiter und binden Sie diese in Erfolge, als auch in Misserfolge ein. Allerdings darf dabei natürlich nicht auf die gleichzeitige Unterstützung durch das Management verzichtet werden. Nur durch großflächige Kommunikation und internen Gedankenaustausch können Verantwortungsbereiche gezielt festgelegt und gefördert werden. Ziel: Optimale Arbeitsverteilung durch Offenheit aller Beteiligten.

 

 

Quelle: Perlow, Leslie A. & Porter, Jessica L.: Weniger arbeiten – Mehr leisten; in:Harvard Business Manager; Januar 2010; S. 24-35